Frank Quilitzsch: Begegnung mit einer Prinzessin. „Edition Muschelkalk“ der Literarischen Gesellschaft Thüringen, Wartburg-Verlag, Weimar 2006, 112 Seiten, 11 Euro

„Quilitzsch ist mit der Geschichte ,Begegnung mit einer Prinzessin’ ein unspektakuläres, von großer Dankbarkeit erfülltes Portrait einer einfachen, sehr alten und bis zum letzten Atemzug würdevollen Frau gelungen.“
(Kai Agthe, Herausgeber)

Urgroßmutter, China und die Suche nach dem Glück

Der bibliophil gestaltete Prosaband enthält eine Kindheits- und eine Liebesgeschichte sowie Auszüge aus dem China-Tagebuch des Jahres 1990. „Begegnung mit einer Prinzessin“ bewahrt die Erinnerung an die Urgroßmutter Friederike F., Jahrgang 1879, die der Autor als Kind erlebt hat. In der dörflichen Großfamilie schlicht „Mutter“ genannt, war diese bescheidene Frau, die ihren Mann im Ersten Weltkrieg verloren hatte und vier Kinder durchbringen musste, auch im hohen Alter von Arbeit und Sparsamkeit beseelt. Sie beeindruckt den Urenkel mit ihren Erinnerungen, belustigt mit ihrem Vorrat an Bauernregeln und Sprüchen, und immer wieder beschwören ihre Versuche, die sich rasant wandelnde „neumodsche Welt“ zu verstehen, kuriose Situationen herauf.


Das China-Tagebuch „Frühling in Nanjing“ erzählt, wie der Autor, 10000 Kilometer von der Heimat entfernt, von der friedlichen Revolution erfährt. Als Deutschlektor an der Nanjing-Universität begegnet er nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens eingeschüchterten Studenten, deren Vertrauen er nach und nach gewinnt. Er spricht mit einem Akademiker, der Opfer der Kulturrevolution wurde, und folgt den Spuren von Klara Blum, einer heute nahezu vergessenen jüdisch-deutschen Schriftstellerin, die ihre Liebe zu einem chinesischen Kommunisten nach China führte, wo sie ihn bis zu ihrem Tode suchte, aber nicht finden konnte, weil er von Stalin in der Sowjetunion umgebracht wurde.

„Glück auf Raten“ ist die Geschichte von Thomas und Sophie, die sich in Ostdeutschland nach der Wende über eine große Entfernung hinweg heimlich treffen, aber nicht beieinander bleiben können, weil ein Dritter zwischen ihnen steht. Das emotionale und letztlich ausweglose Hin und Her wird von ironischen Anspielungen auf Ulrich Plenzdorfs „Legende von Paul und Paula“ begleitet.