Frank Quilitzsch: Holunder aus dem Dach. Erzählungen. Greifenverlag zu Rudolstadt 1987, 182 Seiten, ca. 10 Euro

 „Die beachtliche Kunstfertigkeit eines Debütanten wird ergänzt von einem sicheren Gefühl für die Struktur der ganzen Sammlung.“
(Joachim Nowotny in: DDR-Literatur ’87 im Gespräch)

Ein Dorf ist vom Verschwinden bedroht

Was verwandelt eine Urgroßmutter in eine Prinzessin? Und woher kommt plötzlich ein Heuschnupfen, wenn einer sein Lebtag Gräser gerochen, gemäht und Heu eingefahren hat? Was den Großvater plagt, wird dem Enkel zu einer Geschichte, über der er sich mit Lebensschicksalen  auseinandersetzen muss. Alles wird anders und hinterlässt doch seine Spur. Aber geht dabei nicht manchmal etwas verloren, was nicht verloren gehen darf? Vergebens warten die Großeltern, dass der erfolgreiche Sohn sie an seinem Geburtstagsbankett teilnehmen lässt. Bildung und Amt und fünfzig Jahre haben ihn weit von seinem Ausgangspunkt, dem Dorf in der Dübener Heide, entfernt, das nun selbst vom Verschwinden bedroht ist: Von drei Seiten rücken die Braunkohle-Bagger an, den Bewohnern ihre Existenz abzugraben. Die poetischen und kunstvoll verschachtelten Geschichten des Bandes halten aus der Perspektive des Enkels die Erinnerung an die Lebenswelt der Urgroßeltern, Großeltern und Eltern wach und zeigen die zwischen den Generationen aufbrechenden Konflikte.